Kurz vorgestellt: Die neuen DeGIR-Lenkungsgruppen

Dürfen wir vorstellen? Mit „Frauen im IR", „Klinische Integration" und „Neuroradiologie" wurden gleich drei neue DeGIR-Lenkungsgruppen ins Leben gerufen. In den Interviews erfahren Sie interessante Hintergründe und erste Pläne aus den neugeründeten Lenkungsgruppen.

Lenkungsgruppe „Frauen in der IR“ (Leitung: Dr. Mareike Franke)

Warum gibt es die Lenkungsgruppe?

Derzeit beträgt der Frauenanteil unter den DeGIR-Mitgliedern 14% – demgegenüber steht ein Frauenanteil unter den Medizinstudierenden von weit über 50%. Auch in der veröffentlichten Liste der Zertifikatsinhaber der DeGIR Stufe 2 finden sich nur sehr wenige weibliche Vornamen. Somit kann man erkennen, dass die interventionelle Radiologie bezüglich der Rekrutierung des ärztlichen Nachwuchses das volle Potenzial noch nicht ausschöpft und es offensichtlich Vorbehalte der jungen Kolleginnen gegenüber der IR zu geben scheint. Die Lenkungsgruppe „Frauen in der IR“ möchte ergründen, wodurch der niedrige Frauenanteil begründet ist und möchte helfen, diese Vorbehalte abzubauen.

Was sind die langfristigen Ziele der Lenkungsgruppe?

Die langfristigen Ziele sind die Stärkung der IR durch eine optimale Ausnutzung des weiblichen Talentpools und somit Erhöhung des Frauenanteils in der IR. Denn die flächendeckende interventionell-radiologische Versorgung in Deutschland mit einem strukturell immer weiter zunehmenden Bedarf an interventionell-radiologischen Leistungen kann nur gewährleistet werden, wenn wir den gesamten Talentpool der angehenden und jungen Ärzte und Ärztinnen optimal nutzen. Diese zunehmende
„Man-“ bzw. in diesem Zusammenhang „Womanpower“ kommt dem gesamten Fachgebiet und – durch eine bessere Personaldecke und somit ein besseres Angebot in der Breite – auch den Patientinnen und Patienten zugute.

Gibt es bereits erste Projekte und/oder konkrete Maßnahmen aus der Lenkungsgruppe?

Zunächst einmal soll ergründet werden, ob und wenn ja warum junge Kolleginnen Vorbehalte gegenüber diesem tollen und vielfältigen Fachgebiet haben, um diese dann abzubauen. Hierfür gibt es schon folgende konkrete Projekte:

  1. Wir möchten vorerst etwas darüber erfahren, welche Hindernisse und Probleme Interventionalistinnen und Interventionalisten begegnen und ob sich die Situation von Frauen und Männern dabei unterscheidet. Hierbei wollen wir auch die Situation der forschenden Kolleginnen und Kollegen in der IR betrachten. Durch die Auswertung eines Fragebogens erhoffen wir uns neue Impulse und Erkenntnisse für die Arbeit der Lenkungsgruppe. Die Erstellung des Fragebogens ist demnächst abgeschlossen. Wenn der Fragebogen versendet wird, bitten wir um breite Mitarbeit von sowohl weiblichen als auch männlichen Kollegen, sodass wir genügend Daten für eine adäquate Auswertung erhalten können.

  2. Darüber hinaus haben wir ein Forum „Frauen in der IR“ gegründet, in dem sich Interventionalistinnen (und auch Interventionalisten) austauschen, Ideen zur Stärkung der IR zusammentragen und diskutieren können. Dieses Forum findet sich in einem slack-Workspace. Slack ist eine kostenlose und mittlerweile weit verbreitete Kommunikationssoftware, in der sich beigetretene „Teammitglieder“ austauschen und zusammenarbeiten können, indem sie beispielsweise Links und Dokumente teilen. Man kann innerhalb des Workspace auch kleinere Gruppen für die Diskussion von speziellen Themen, sogenannte Channels, bilden. Wir möchten auch regelmäßige Treffen mit den Mitgliedern des Forums initiieren. Selbstverständlich würden wir uns auch wünschen, dass nicht nur Interventionalistinnen hier diskutieren, sondern, da es um die Stärkung der IR geht, auch männliche Kollegen Ideen einbringen. Wir haben Ihr Interesse geweckt? Dann können Sie über nachstehenden Link ganz einfach dem Forum beitreten: https://join.slack.com/t/forumfraueninderir/shared_invite/zt-sk7w9vis-Y3buAdwSF8pb_ath3tjMQg

  3. Um Interventionalistinnen als Vorbilder zu präsentieren und sichtbarer zu machen, möchten wir gerne am Podcast „RADiversum“ der Kommission Diversity@DRG mitarbeiten und Podcast-Folgen beitragen, in denen wir Interventionalistinnen interviewen, um deren Werdegang zu beleuchten.

 Es gibt natürlich noch weitere spannende Ideen und Kooperationspläne, die noch in der Planung sind.

Lenkungsgruppe Klinische Integration" (Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann)

Warum gibt es die Lenkungsgruppe?

Bei einer Klausurtagung hat sich der DeGIR-Vorstand Gedanken zum Thema Zukunft der, bzw. Gefahren für die IR gemacht. Als wesentliche Bedrhungen für die deutsche Interventionsradiologie wurden u.a. das zunehmend aggressive Verhalten benachbarter Disziplinen (Turf-battles) ausgemacht.
Um die IR für die Zukunft besser aufzustellen, wurde ein Maßnahmenplan skizziert. Ein zentraler Punkt dieses Plans ist hierbei, dass die Radiologinnen und Radiologen sich als Klinikerinnen und Kliniker und die Radiologie insgesamt sich als klinisches Fach verstehen müssen. Die Betreuung des Patienten muss von Aufnahme bis Entlassung in der Hand der Radiologie liegen. Die notwendigen strukturellen Voraussetzungen (Ambulanz, eigene interventionsradiologische Station) können eine Lösung darstellen. Als kurzfristige Maßnahme sollen künftig klinische Fähig- und Fertigkeiten im Rahmen von Kongressen (z.B. Notfallmedizin, Diabetologie, Gerinnungsmanagement, Blutdruckmanagement u. .) im Rahmen von Vorlesungen und Workshops angeboten werden. Eine weitere Stoßrichtung soll sein, das Verständnis von radiologischen Chefärztinnen und Chefärzten bzw. Oberärztinnen und Oberärzten für die Krankenhausökonomie zu stärken. Insbesondere müssen die entsprechenden Kolleginnen und Kollegen in der Lage sein, im Gespräch mit dem Controlling herauszuarbeiten, dass die Interventionsradiologie erhebliche Erlöse für das jeweilige Klinikum erlöst. Diese Kenntnisse innerhalb der Radiologie werden von allen Beteiligten als eher schlecht angesehen. Um diese Herausforderungen besser angehen zu können, wurde die Lenkungsgruppe ins Leben gerufen, die aus insgesamt acht Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Kliniken besteht.

Was sind die langfristigen Ziele der Lenkungsgruppe?

Siehe oben; Etablierung der Radiologie/IR als klinisches Fachgebiet und Abkehr von der reinen Dienstleistung, als die die Radiologie häufig gesehen wird.

Gibt es bereits erste Projekte und/oder konkrete Maßnahmen aus der Lenkungsgruppe?

  1. Da es an verschiedenen Kliniken erste Bestrebungen interventioneller Angiologen und Angiologinnen gibt, auch interventionell-onkologische Eingriffe (z.B. TACE) anzubieten, erstellt Herr PD Peter Isfort mit Co-Autoren derzeit ein White Paper zum Thema "Interventionelle Onkologie", um aufzuzeigen, warum interventionell-onkologische Maßnahmen exklusiv durch Interventionelle Radiologinnen und Radiologen angeboten werden.

  2. Planung einer Leitlinie, die die Bedingungen für eine „24/7 IR“ definiert (von Geräteausstattung, Raumgrößen bis Personalvorhaltung).

  3. Planung eines zweiten White Papers zum Thema „Wie kann die Radiologie klinischer werden?“

  4. Aktive Einflussnahme auf das Kongressprogramm vom RÖKO 2021 und 2022 sowie IROS 2022 durch Sitzungen bzw. Vorträge zu Themen wie beispielweise:
    1. Fähig- und Fertigkeiten von klinischen Partnerdisziplinen (z.B. aus der Anästhesie: Sedierung vs. Narkose; korrekte Reaktion bei Überdosierungen etc.)
    2. DRG, OPS und weitere betriebswirtschaftliche Kenntnisse (z.B. InEk Kalkulation; korrekte Abbildung von Eingriffen; Bedeutung der IR für das wirtschaftliche Ergebnis eines Klinikums)
    3. Vor- und Nachteile einer bettenführenden IR

Lenkungsgruppe „Neuroradiologie“ (Prof. Stefan Rohde)

Warum gibt es die Lenkungsgruppe?

Zwischen der DeGIR und der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) besteht seit vielen Jahren eine sehr enge Zusammenarbeit. Die Neurointerventionen haben an der Gesamtzahl der radiologischen Interventionen ja auch einen großen Anteil. Dies spiegelt sich in den DeGIR-Modulen für gefäßeröffnende- und gefäßverschließende Neurointerventionen wider, die immer schon durch Mitglieder der DGNR in den Gremien der DeGIR, z.B. der Software-Lenkungsgruppe, betreut wurden. Eine weitere Schnittmenge ergibt sich aus der gemeinsamen Prüfungs- und Zertifizierungsarbeit.
Die Benennung einer eigenen Lenkungsgruppe Neuroradiologie ist ein erfreulicher, folgerichtiger Schritt, um die Zusammenarbeit und die Abstimmung zwischen den beiden Fachgesellschaften auf den verschiedenen Arbeitsfeldern weiter zu verbessern und enger abzustimmen.

Was sind die langfristigen Ziele der Lenkungsgruppe?

Neben der inhaltlichen Weiterentwicklung der neuroradiologischen Module E und F sowie der Organisation und Durchführung von neuroradiologischen Weiterbildungskursen und Prüfungen, sehe ich die Einbindung von jungen Radiologinnen und Radiologen in die (Neuro-)Interventionelle Arbeit als eine der wichtigsten Aufgaben dieser Lenkungsgruppe. Die Neuroradiologie hat in den letzten Jahren in verschiedenen interventionellen Feldern entscheidende Fortschritte gemacht – als Beispiel seien hier die endovaskuläre Schlaganfall- und die Aneurysmabehandlungen genannt. Es ist unsere Aufgabe, junge Radiologinnen und Radiologen für diese interventionellen Techniken zu begeistern und sie frühzeitig mit diesen teilweise komplexen Eingriffen vertraut zu machen, z.B. durch moderne Simulatorkurse, aber auch durch Hospitationen in spezialisierten Zentren und durch theoretische Kurse. Ein weiteres Ziel ist die wissenschaftliche Auswertung der DeGIR-Registerdaten in dem Modul E und F. Hierfür haben wir durch die Umwandlung des BQS- in das Samedi-Register bereits einen wichtigen Schritt gemacht, um die Daten exportieren und als Fachgesellschaft auswerten zu können.

Gibt es bereits erste Projekte oder konkrete Maßnahmen aus der Lenkungsgruppe?

Derzeit arbeiten wir an einer Professionalisierung der Datenauswertungen in den Modulen E und F. Eine erste Übersichtsarbeit zu den Schlaganfallbehandlungsdaten wurde Anfang dieses Jahres publiziert. Weitere wissenschaftliche Projekte sind in Vorbereitung. Zusammen mit der DGNR und der Jungen Neuroradiologie besteht eine Kooperation für ein eFellowship, bei dem junge Neuroradiologinnen und Neuroradiologen sowie angehende Interventionalistinnen und Interventionalisten über einen Remote-Kamerazugang an speziellen Neurointerventionen auch unter Coronabedingungen teilnehmen können.