Publikation zu frühen dynamischen Veränderungen in CTCs und prognostische Relevanz nach interventionellen radiologischen Behandlungen bei HCC

Ein Autorenteam mit Herrn Prof. Dr. Vogl hat eine innovative Arbeit zu „Early dynamic changes in circulating tumor cells and prognostic relevance following interventional radiological treatments in patients with hepatocellular carcinoma“ veröffentlicht. Im Interview beleuchtet er interessante Hintergründe zur Publikation.

Sehr geehrter Prof. Dr. Thomas J. Vogl © DRGHerr Professor Vogl, herzlichen Glückwunsch zur Publikation dieser wirklich innovativen Arbeit. Was war die Hauptmotivation zur Durchführung dieser aufwendigen Arbeit?

Die zirkulierenden Tumorzellen spielen eine wichtige Rolle beim Entstehen von Metastasen und Rezidiv. Daher war unser Ziel die dynamischen Veränderungen zirkulierender Tumorzellen bei Patienten mit hepatozellulärem Karzinom vor und unmittelbar nach der Durchführung eine Mikrowellenablation (MWA) und konventioneller transarterieller Chemoembolisation (C-TACE) zu untersuchen.

Sind Sie von den Ergebnissen überrascht worden? Insbesondere, dass gerade die Mikrowellenablation zu einer signifikanten Reduktion der zirkulierenden Tumorzellen (CTCs) im venösen Blut geführt haben?

Ja! Anhand unserer früheren Publikation im Tiermodell (Juratli et al. Head Neck. 2014 Aug;36(8):1207-15. doi: 10.1002/hed.23439) hatten wir erwartet, dass die MWA zu einem Anstieg der CTCs-Rate führen würde. Durch die Ablation des Tumors und Umgebungsstrukturen konnten die CTCs eliminiert werden und somit war die Rate nach der Therapie signifikant niedriger als vor der Therapie. Was einen positiven Effekt auf die rezidivfreie Überlebensrate haben könnte.

Sie haben bei der cTACE degradierbare Stärkemikrosphären, Gelofoam, PVA und Lipiodol verwendet. Können Sie sich vorstellen, dass die Art der TACE einen Einfluss auf die zirkulierenden Tumorzellen nach der Intervention haben könnte? Würden Sie eine Veränderung bei einer Bead-basierten TACE erwarten?

Um diese Frage beantworten zu können, ist eine klinische Studie, in der beide Materialien verglichen werden, notwendig. Spannend wäre die Frage, ob die Bead-basierte TACE sich hier unterscheiden würde.

Sie haben drei Patienten mit einer NASH (nicht alkoholischen Steatohepatitis) einschließen können und zwei dieser Patienten mit einer Mikrowellenablation und einen mit der cTACE behandelt. Bei dieser Ursache der Leberveränderungen und im Weiteren des aufgetretenen HCC´s konnten Sie bei allen drei Patienten einen Abfall der zirkulierenden Tumorzellen nach Therapie nachweisen. Könnte die zugrundeliegende Ursache der Zirrhose einen Einfluss auf die Ergebnisse haben?

Das ist möglich. Um diese Hypothese beweisen zu können, sollen Studien mit größeren Patientenanzahl mit HCC aufgrund einer Zirrhose durgeführt werden.

Sie haben die Patienten bis zu 2,2 Jahren nachverfolgt. Könnten Sie bitte noch einmal kurz zusammenfassen, warum die Zahl der zirkulierenden Tumorzellen nicht mit dem Outcome der Patienten korreliert hat?

Anhand der kleineren Patientenanzahl von 17 Patienten konnten wir keine signifikante Korrelation zwischen CTC-Rate und Outcome der Patienten finden. Aktuell führen wir eine größere MWA-Studie bei HCC-Patienten durch. Damit hoffen wir diese Frage nach Abschluss der Studie beantworten zu können.

Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat am 25.03.2021 über die Ergebnisse Ihrer Studie in der online-Version berichtet. Kann so eine Berichterstattung hilfreich für die Wahrnehmung der Interventionellen Radiologie in der Bevölkerung sein? 

Ja, ich glaube gerade diese Grundlagenstudien können helfen auch mittels der Medien die Interventionelle Radiologie besser sichtbar zu machen.

Sehr geehrter Herr Professor Vogl, haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch und dass Sie sich trotz Ihrer Aufgaben als Kongresspräsident des diesjährigen Röntgenkongresses die Zeit genommen haben.

Das vollständige Paper lesen Sie hier.

Das Interview führte Prof. Habermann aus der DeGIR-Lenkungsgruppe Öffentlichkeitsarbeit.