DeGIR-Sessions beim RÖKO 2021

Seit dem 27. März läuft der 102. Röntgenkongress als digitale Veranstaltungsreihe. Im Interview mit Herrn Prof. Dr. Mahnken erfahren Sie mehr über die interventionellen Themen beim RÖKO 2021. Er war gemeinsam mit Herrn Prof. Dr. Hoffmann maßgeblich an der DeGIR-Programmerstellung beteiligt.

Prof. Dr. Andreas H. MahnkenProf. Dr. Andreas H. MahnkenSehr geehrter Herr Professor Mahnken, im Rahmen des diesjährigen RÖKO wird die DeGIR an sechs Tagen mit interventionellen Themen vertreten sein. Sind Sie mit der Präsenz der Interventionellen Radiologie zufrieden?

Aus meiner Sicht ist Herrn Professor Vogl als Präsident des diesjährigen Röntgenkongresses eine exzellente Balance aus interventionellen und diagnostischen Themen gelungen. Es werden viele klinisch wichtige Interventionsthemen durch ausgezeichnete Referenten behandelt. Dabei werden auch gern „vergessene“ Bereiche wie Qualitätsmanagement und Komplikationen sichtbar gemacht. Natürlich wünsche ich mir als interventioneller Radiologe aus Prinzip immer mehr zur Intervention, aber angesichts der Vielfalt unseres Faches, die aus meiner Sicht den Reiz der Radiologie ausmacht, ist die interventionelle Radiologie sehr gut vertreten.

Mit 16 wissenschaftlichen Vorträgen an zwei Tagen wird auch jungen Kollegen eine Möglichkeit gegeben, ihre Ergebnisse auf dem RÖKO zu präsentieren. Sollte dieses Format weiter ausgebaut werden und ist die Forschung in der Interventionellen Radiologie ausreichend gut aufgestellt?

Hier sind zwei Fragen miteinander verknüpft, die man getrennt betrachten muss. Die Forschung in der Interventionellen Radiologie ist in Deutschland verbesserungsfähig. Dieses Themas hat sich Professor Wacker in Hannover für die DeGIR angenommen und mit der Lenkungsgruppe Wissenschaft erste wichtige Impulse gesetzt. Angesichts der Defizite in der Forschung zur interventionellen Radiologie - insbesondere jenseits der interventionellen Onkologie, bspw. im vaskulären Bereich - ist die Förderung unseres wissenschaftlichen Nachwuchses u.a. durch die Möglichkeit die Ergebnisse im Rahmen von großen Tagungen zu präsentieren sehr wichtig. Davon profitieren Wissenschaftler und auch alle anderen Radiologen, da so neue Impulse früh in die Klinik gebracht werden. Dieses Element sollte daher weiter gepflegt und ausgebaut werden.

Ist das neue Format mit fünfminütigen Vorträgen dem digitalen Kongress geschuldet? Können hier Fragen an die Vortragenden gestellt werden?

Nein und ja (lacht) – der ECR schafft es in drei Minuten. Mit diesem Format kann prägnant Information vermittelt werden. Auf europäischer Ebene ist die Akzeptanz hervorragend. Ganze Kongressformate leben außerhalb Deutschlands von dieser komprimierten, eng getakteten Informationsvermittlung. Richtig eingesetzt ist das für aufmerksame Zuhörer ein unglaublich effizientes Format. Ich freue mich selber schon sehr darauf.

Zwei Schwerpunkte sind in diesem Jahr das Komplikationsmanagement und die Qualitätssicherung. Ist die Interventionsradiologie in Bezug auf das Qualitätsmanagement ausreichend aufgestellt oder sollte es neben der freiwilligen Datenerhebung über das DeGIR-Modul auch eine verpflichtende Datenerhebung geben?

Die Interventionsradiologie ist in Deutschland mit ihrem Qualitätsregister hervorragend aufgestellt. Andere nationale Fachgesellschaften haben dies bisher nicht in einer derartigen Form vermocht. Dementsprechend stehen wir gerade an der Schwelle dieses Modell tatsächlich auch international auszulizensieren. Aus meiner Sicht muss unser DeGIR QS System weiter zu einem QM-System entwickelt werden. Diesen Weg hat die Software Lenkungsgruppe und Professor Paprottka bereits konsequent eingeschlagen. Einen Bedarf für eine verpflichtende Datenerhebung sehe ich nicht für die Radiologie, da wir hier den anderen klinischen Disziplinen weit voraus sind. Ich kann an dieser Stelle nur jeden ermuntern dem DeGIR QS-Register beizutreten und die eigenen Interventionen dort möglichst vollständig zu dokumentieren.

Im Rahmen der Vorträge zur Qualitätssicherung und im Format Fit für den Facharzt (FFF) ist der Strahlenschutz im Rahmen von interventionellen Verfahren das Thema. Ist aus Ihrer Sicht das Bewusstsein für den Strahlenschutz in der interventionellen Radiologie ausreichend verankert?

Eine der Kernkompetenzen eines jeden Radiologen ist der Strahlenschutz. Dass dieses Thema in unser aller Bewusstsein ist zeigt sich auch genau in den von Ihnen angesprochenen Kursinhalten. In diesem Themenfeld erarbeitet die DeGIR übrigens gerade eine AWMF-Leitlinie zum Strahlenschutz in der Interventionellen Radiologie.

Ein Nachteil der aktuell notwendigen Digitalisierung des Kongresses für die Interventionsradiologie ist es, dass die hochfrequentierten und beliebten Hands-on Kurse im Rahmen des Programmes „Flinke Finger“ nicht angeboten werden kann. Gibt es hierzu Ansätze diese Art der Fortbildung auch in ein digitales Format zu transferieren?

Zu dem Thema haben wir im DeGIR Vorstand einige Ideen kreiert und diskutiert. Insbesondere Professor Katoh ist hier aktiv. Viele tolle Ideen von der Roadshow bis hin zum interaktiv über das „WWW“ gesteuerten Simulator zirkulieren hier. Aber eine wirklich gut funktionierende Alternative zum „Hands-on“ existiert leider noch nicht, so dass wir uns hier besonders auf kommende Präsenzveranstaltungen bzw. Hybridveranstaltungen freuen, um diese Trainingsangebote wieder breit verfügbar zu machen.

Wie ist der derzeitige Stand Ihrer Initiative zur Gesundheit von Interventionalisten – Stichwort Health Pavillion (IROS)?

Beim nächsten IROS, den wir hoffentlich vom 13.01.-15.01.2022 wieder in Präsenz in Salzburg erleben, wird es wieder einen „Health Pavillon“ geben.

Sehr geehrter Herr Professor Mahnken, haben Sie ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit und die ausführliche Beantwortung der Fragen zur Interventionsradiologie auf dem Deutschen Röntgenkongress!

Das Interview führte Prof. Dr. Habermann aus der DeGIR-Lenkungsgruppe Öffentlichkeitsarbeit.