Die Facetten der Interventionsradiologie im Fokus der radiologischen Community

Premiere in Pandemiezeiten: Erstmals fand ein Röntgenkongress im rein digitalen Raum statt: Vom 21. Mai bis 14. November 2020 wurde der 101. Deutsche Röntgenkongress in RÖKO DIGITAL transformiert. Prof. Dr. Ralf-Thorsten Hoffmann, DeGIR-Vorstandsmitglied und Direktor des Instituts und der Poliklinik für diagnostische und interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Dresden, war aktiv an der Programmplanung für den Kongress beteiligt und berichtet, wie er als Interventionsradiologe das neue Format einschätzt.

Professor Hoffmann, wie haben Sie das Format RÖKO DIGITAL erlebt? Wie sieht Ihr persönlicher Rückblick aus?

Prof. Dr. Ralf-Thorsten HoffmannProf. Dr. Ralf-Thorsten HoffmannProf. Dr. Ralf-Thorsten Hoffmann: Ganz generell war es gut, dass es den digitalen Röntgenkongress gab und von Seiten der beiden Kongresspräsidenten, der Programmverantwortlichen und der Deutschen Röntgengesellschaft so schnell auf die COVID-19-bedingten Einschränkungen reagiert wurde. Das komplett fertige Programm für den Präsenzkongress wurde in den digitalen Raum übersetzt, sodass eine kontinuierliche Fortbildung auf höchstem Niveau gewährleistet wurde. Auch das Format war aus meiner Sicht hoch professionell umgesetzt, es gab keine IT-Probleme trotz hoher Teilnehmerzahl, die Referentinnen und Referenten waren perfekt vorbereitet und die Teilnehmenden ebenfalls sehr motiviert. Für mich persönlich war es von Vorteil, dass ich mich auch Fortbildungsthemen und Sessions widmen konnte, die sonst allein schon aus Zeitgründen nicht in meinem Fokus stehen.

Worin sehen Sie die Stärken und Schwächen eines digitalen Kongressformats?

Die Stärken sehe ich ganz klar darin, dass alle interessierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter meiner Abteilung teilnehmen konnten – das ist bei Präsenzkongress nicht möglich, schließlich muss die Abteilung ja weiterlaufen. Und selbst wenn man eine Session verpasst hatte, konnte man sie sich auf conrad nachträglich ansehen. Die „Qual der Wahl“, sich zwischen parallelen Sitzungen entscheiden zu müssen, fiel komplett weg. Die Sitzungen zur Interventionsradiologie erfreuten sich zudem einer hohen Teilnehmerzahl. Als Moderator fiel mir auf, dass viel mehr Fragen gestellt und Diskussionen via Chat angestoßen wurden - live ist vermutlich die Hemmschwelle höher, sich zu Wort zu melden. Auf diese Weise wurden diverse digitale Formate einfach ausprobiert – mit gutem Erfolg.
Umgekehrt liegt darin aber doch auch eine der größten Schwächen: Die fehlende Interaktion, Gespräche und der direkte Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Denn Präsenzveranstaltungen wie der RöKo haben eben immer auch einen „Klassentreffencharakter“. Genauso fehlte mir der Rundgang durch die Industrieausstellung, bei der man bei einem Kaffee spontan technische Neuerungen besichtigen kann. Inhaltlich gesehen kamen wissenschaftliche Vorträge und damit der radiologische Nachwuchs leider etwas zu kurz. Schwierig war es auch, Basis- und Spezialkurse für DeGIR Stufe I und II sowie andere Zertifizierungskurse adäquat abzubilden.

Gab es Unterschiede in der Planung für einen digitalen Kongress?

Das Programm für den RöKo 2020 als Präsenzkongress war ja bereits komplett fertig, in der Planung gab es also keine Unterschiede. Die Herausforderung bestand darin, in kürzester Zeit die Programmpunkte in ein digitales Format umzuwandeln, was u.a. weniger Zeit für die einzelnen Sessions bedeutete und auch die Frage aufwarf, wie wir mit Hands-on- und Zertifizierungskursen umgehen. In der Programmplanung für 2021 denken wir nun direkt in digitalen Formaten.

Was würden Sie sich für den nächsten digitalen Kongress wünschen?

Wichtig wäre mir, dass ausreichend Zeitslots für wissenschaftliche Vorträge vorhanden sind. Wir planen außerdem, mehr junge Radiologinnen und Radiologen als Referierende zu integrieren. Ganz generell würde ich mir wünschen, dass auch der digitale 102. Deutsche Röntgenkongress auf weiterhin hohe Akzeptanz bei den Teilnehmenden, Referierenden und Moderierenden stoßen wird.

Was war Ihr persönliches Highlight bei diesem Kongress?

Die hohe Anzahl an Teilnehmende an interventionsradiologischen Sitzungen – teilweise nahmen mehr als 500 Personen an einer Session teil. Während des Präsenz-RöKo sind es normalerweise deutlich weniger, u. a. wegen parallel stattfindender Veranstaltungen und begrenzter Raumgrößen. Diese Menge an Teilnehmenden würde die größten Säle der Kongresszentren füllen. Die unterschiedlichen Facetten der Interventionsradiologie rückten so auch in den Fokus der radiologischen Community.

Ihr Fazit in einem Satz…

RÖKO DIGITAL ist sehr gelungen, der Röntgenkongress 2021 befindet sich auf einem sehr guten Weg – und dennoch hoffe ich, dass der Kongress 2022 wieder als Präsenzveranstaltung stattfindet, wobei dann Errungenschaften wie die Aufzeichnungen der Veranstaltungen für conrad in die post-COVID Zeit übertragen werden sollten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Dr. Kerstin Westphalen, DeGIR-Lenkungsgruppe Öffentlichkeitsarbeit.