DEGIR-QS-SOFTWARE

Positiver Trend in der interventionsradiologischen Qualitätssicherung

Noch bis zum 29. Februar 2020 können Kliniken interventionsradiologische Fälle des Jahres 2019 in der DeGIR-QS-Software, dem Qualitätssicherungsprogramm der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DeGIR), eintragen. Wir haben Professor Philipp M. Paprottka, Leiter der DeGIR-Qualitätssicherungs-Softwarelenkungsgruppe, Vorstandmitglied der DeGIR und Universitätsprofessor für Interventionelle Radiologie am Klinikum rechts der Isar an der Technischen Universität München nach dem aktuellen Stand und den Plänen für die Zukunft des anspruchsvollen Projekts gefragt.

Herr Professor Paprottka, sind Sie zufrieden mit den Eingabezahlen in die DeGIR-QS-Software?

Prof. Dr. Philipp M. Paprottka Bei der DeGIR-QS-Software handelt es sich um die größte Qualitätssicherungssoftware einer medizinischen Fachgesellschaft. Aktuell werden pro Jahr ca. 180.000 durch interventionelle Radiologen und Neuroradiologen minimal-invasiv durchgeführte Eingriffe eingetragen. Es ist mir bewusst, dass es Abweichungen bezüglich der in die Software eingegebenen Daten und den tatsächlich codierten Fällen in den Kliniken gibt. Diese Abweichungen liegen im Eingabeverhalten der jeweiligen Häuser begründet und sind mit Blick auf die Dokumentationsbelastung der einzelnen Abteilungen oftmals nachvollziehbar. Dennoch möchte ich dazu aufrufen, möglichst alle Interventionen im Qualitätssicherungsregister einzutragen, da es für die gesamte (Neuro-)Radiologie wichtig ist, ein realistisches Leistungsportfolio zu erfassen. Auch in diesem Jahr können die Fälle für 2019 bis zum 29. Februar 2020 nachgetragen werden, und ich hoffe sehr, dass die Kliniken von dieser Möglichkeit noch Gebrauch machen werden.


Wie viele Zentren in Deutschland benutzen mittlerweile die DeGIR-QS-Software?

Im Jahr 2019 haben 298 Kliniken aktiv teilgenommen. 164 davon sind offiziell zertifizierte DeGIR-Ausbildungszentren. Wir können einen positiven Trend verzeichnen, mit einer kontinuierlich steigenden Anzahl teilnehmender Kliniken, und ich erwarte, dass dieser erhalten bleibt, da wir die Leistungsfähigkeit der Software laufend verbessern und eine dokumentierte Qualitätssicherung zunehmend eine wichtigere Rolle in der Medizin spielt.


Welche Neuerungen gibt es in der DeGIR-QS-Software?

Nachdem die größte Herausforderung mit dem Wechsel des Softwareanbieters zum 1. Januar 2018 von BQS auf Samedi erfolgreich gemeistert und die neue Plattform im Jahr 2018 kontinuierlich kontrolliert und angepasst wurde, konnten wir das Jahr 2019 dazu nutzen, viele Neuerungen umzusetzen, um einen unmittelbaren Mehrwert der DeGIR-QS-Software für die Anwender zu generieren sowie für 2020 anstehende Softwareoptimierungen vorzubereiten. Hierunter fällt unter anderem die Möglichkeit, die Leistungszahlen auf der Startseite nach Behandlungsjahren zu exportieren und für weitere Statistikauswertungen die eigenen Daten als PDF oder den kompletten Rohdatensatz im Excel-Format für einen frei wählbaren Zeitraum zu generieren. Mit dem Button „Prüfung Device“ erscheint die Auflistung aller New Devices, die zur Erfassung einer Intervention möglich sind. Damit wird während der Erfassung einer Intervention im bestehenden Formular eine Orientierung gegeben, ob es sich um ein New Device handelt oder nicht und ob somit ein weiteres Formular anzulegen ist oder nicht. Die Übernahme definierter Werte bei Mehrfachinterventionen dient zur Erleichterung des Eintragens von Mehrfachinterventionen und bildet die Grundlage für die geplanten Software-Erweiterungen bezüglich Multicenterstudien und des „Follow-Up-Tools“.


Was für neue Funktionalitäten in der Anwendung und Auswertung sind für 2020 geplant?

Aktuell prüfen wir – Professor Wacker, Professor Bücker, Professor Wildgruber, Dr. Grözinger und ich – im Rahmen eines Pilotprojekts die Nutzbarkeit der Software für prospektive multizentrische Studien. Die Studie soll den Wert einer möglichen Antikoagulation nach TIPS-Anlage untersuchen. Hierfür wurden die Hochvolumenzentren über die Software identifiziert und von der Geschäftsstelle mit der Bitte um Entblindung kontaktiert. Die zur Teilnahme bereiten Kliniken bekommen zur genauen Erfassung der Interventionen das entsprechende Forschungsmodul eingeblendet, welches die Daten automatisch in die bisherige Datenbank sowie eine in 2020 aufzubauende Forschungsdatenbank überträgt. Zudem sollen die bisher in die Software eingetragenen Daten verstärkt ausgewertet und publiziert werden. Eine erste Publikation („Flächendeckende Versorgung mit radiologisch durchgeführten gefäßverschließenden Maßnahmen zur interventionellen Behandlung von Blutungen in Deutschland in den Jahren 2016 und 2017“; Nadjiri, Schachtner, Bücker, Heuser, Morhard, Landwehr, Mahnken, Hoffmann, Berlis, Katoh, Reimer, Ingrisch, Paprottka – Anm. d. Red.) befindet sich aktuell im Review-Prozess bei der RöFo. Weitere Publikationen bezüglich „Strahlendosis häufiger interventioneller Eingriffe der Leber im Vergleich“ sowie der Module A, C und D sollen zeitnah folgen.


Wo liegen zukünftige Herausforderungen bzw. Projekte, die mit der DeGIR-QS-Software geplant sind?

Aktuell erfassen wir mit der DeGIR-QS-Software etwaige Frühkomplikationen, die unmittelbar durch die Interventionen bedingt sind. Bei vielen komplexen Eingriffen und insbesondere bei onkologischen Interventionen ist eine langfristige Qualitätssicherung wünschenswert. Patienten müssten somit z.B. nach 3, 6, 9 und 12 Monaten nachkontrolliert werden. Hierfür sind jedoch erhebliche Anpassungen der Software notwendig, da diese z.B. automatisierte Erinnerungsalgorithmen, die Verfolgbarkeit der Eingriffe über die Jahresgrenzen hinweg und weitere Änderungen beinhaltet. Aktuell eruieren wir verschiedene Umsetzungskonzepte, die spätere Nutzung ist selbstverständlich als Angebot auf freiwilliger Basis zu verstehen.

Welche Herausforderungen gibt es in Bezug auf Datensicherheit und -schutz?

Bei der Auswahl des Softwareanbieters Samedi haben wir selbstverständlich auf den höchsten Sicherheitsstandard bezüglich des Datenschutzes geachtet. Sämtliche Daten, die auf den Samedi-Servern in Deutschland liegen, werden auf verschlüsselten Festplatten gespeichert – AES-256. Darüber hinaus werden Daten, die der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen, bereits lokal auf dem Rechner der Anwender verschlüsselt und erst danach zu den Samedi-Servern übertragen. Dafür wird ein mehrstufiges System aus symmetrischen und asymmetrischen Verschlüsselungsalgorithmen verwendet, so dass weder Administratoren noch Mitarbeiter von Samedi oder Dritte diese Daten im Klartext lesen können. Zum Dekodieren der dafür nötigen Schlüssel ist es zwingend nötig, den Benutzernamen und das Passwort des Benutzerkontos zu kennen. Sämtliche verwendeten Kryptographie-Algorithmen entsprechen der Technischen Richtlinie TR-02102 „Kryptographische Verfahren: Empfehlungen und Schlüssellängen“ des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, kurz BSI. Je nach Datenschutzbestimmungen der einzelnen Bundesländer sollen darüber hinaus nur komplett anonymisierte oder pseudonymisierte Daten in die Qualitätssicherungssoftware eingetragen werden. Aktuell beschäftigen wir uns zudem mit der Erstellung von deutschlandweit juristisch gültigen Formularen zur Unterstützung der Kliniken bezüglich des Datenschutzes.

Ist eine Kooperation mit Software anderer Gesellschaften national oder international geplant?

Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es keine offiziellen Verhandlungen bezüglich nationaler oder internationaler Kooperationen. Wenn das Pilotprojekt zur Nutzbarkeit der Software für prospektive multizentrische Studien erfolgreich ist, gibt es Überlegungen, die Software komplett ins Englische zu übersetzen, um die Softwareeingabe einem größeren Personenkreis zugänglich zu machen. Abschließend möchte ich mich ausdrücklich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kliniken bedanken, die sich seit vielen Jahren an der Dokumentation im Qualitätssicherungsregister beteiligen. Ich versichere Ihnen, dass die Software-Lenkungsgruppe auch in Zukunft in enger Abstimmung mit den Vorständen der DRG, DeGIR und DGNR und im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten an der Weiterentwicklung und Verbesserung des Registers arbeiten wird. Das große gemeinsame Ziel ist die kontinuierliche Verbesserung der Eingabequantität sowie -qualität um ein realistisches (neuro-)radiologisches Leistungsportfolio zu erfassen und zu publizieren. Dieses ist wichtig, um die Bedeutung der klinischen (Neuro-)Radiologie jetzt und für die Zukunft zu stärken.

Vielen Dank für das Gespräch!


Das Interview führte Prof. Dr. Peter Minko, DeGIR-Team Öffentlichkeitsarbeit.

Jetzt noch bis zum 29. Februar 2020 Interventionen im DeGIR-QS-Register eintragen!
Kliniken können noch bis zum 29. Februar 2020 interventionsradiologische Fälle in die Qualitätssicherungssoftware eintragen.
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