Die EBIR-Prüfung: Erfahrungen aus erster Hand

Dr. Martin ZeileDr. Martin ZeileWelche Herausforderungen erwarten Prüflinge beim European Board of Interventional Radiology, kurz EBIR? Dr. Martin Zeile, Oberarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Katholischen Marienkrankenhauses in Hamburg, hat sich dem Test beim CIRSE-Jahreskongress im September 2019 in Barcelona gestellt und berichtet im Interview von seinen Erfahrungen.


Herr Dr. Zeile, warum haben Sie sich dazu entschlossen, die EBIR-Prüfung abzulegen?

Ich hatte schon lange vor, diese Prüfung zu absolvieren, da ich die meiste Zeit in der Intervention verbringe und dafür gerne auch eine „Zusatzbezeichnung“ erwerben wollte. Da man den Erwerb der Stufe 2-Module A-D der DeGIR durch ein Anerkennungsverfahren erleichtern kann, habe ich mich für die EBIR-Prüfung entschieden. Die Prüfung muss man dann nur einmal absolvieren und die Gebühren für die DeGIR-Zertifizierung sind dann etwas günstiger.

Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Ich habe das Buch von Pua et al. mit dem Titel „Interventional Radiology: Fundamentals and Clinical Practice“ und in guten Teilen auch das von Kandarpa et al., „Handbook of Interventional Radiologic Procedures“ gelesen. Außerdem war die „CIRSE Library“, eine Sammlung von Videos von vergangenen Kongressen wie CIRSE, ECIO etc. geordnet nach Themen, mein ständiger Begleiter in der Bahn oder wenn ich zu müde war zum Lesen. Die „CIRSE Documents“, eine Sammlung von SOPs und Leitlinien zu diversen Prozeduren, waren ebenso sehr hilfreich. Alles in allem habe ich mich drei Monate vorbereitet, davon drei Wochen ganztags in meiner Urlaubszeit – damit habe ich im Vergleich zur Facharztvorbereitung ungefähr dreimal so viel Zeit aufgewendet. Die Zeit war gut investiert, da ich viel für meine interventionelle Tätigkeit gelernt habe.

Welche Unterschiede gibt es in Bezug auf die DEGIR-Modul-Prüfungen?

Die EBIR-Prüfung und die kumulierte DeGIR-Prüfung der Module A-D in Stufe 2 ähneln sich stark, mit einem Teil bestehend aus klinischen Fällen und einem zweiten Teil mit voneinander unabhängigen Wissensfragen. Bei der CIRSE gibt es seit September 2019 eine vollständig digitale Prüfung der bisherigen MC-Fragen mit Fragebögen und der zehn mündlichen Fallfragen mit Prüfern. Der MC-Teil wird nun ebenso wie der Fallteil digital ohne anwesende Prüfer in einem teils interaktiven digitalen Format mit einer speziell programmierten Prüfungssoftware geprüft... für mich eine persönliche Nemesis. Das neue computerbasierte System in der EBIR-Prüfung ist wirklich gut und erleichtert die Prüfung mit sinnvollen Funktionen.

Haben Sie sich durch Ihre alltäglichen Erfahrungen gut vorbereitet gefühlt?

Meine Erfahrung aus mehr als zehn Jahren in der Intervention war für die Fragen zwar hilfreich, aber es liegt in der Natur von MC-Fragen, dass man mit praktischer Routine alleine wahrscheinlich nicht besteht. Dafür gehen die Fragen zu sehr ins Detail. Erschwerend kommt beim EBIR hinzu, dass auch Themengebiete abgefragt werden, die in Deutschland nur selten oder gar nicht von Radiologen abgedeckt werden, so z.B. urologische, traumatologische und intestinale Interventionen. Meine klare Empfehlung an alle ist, und das wurde mir auch von anderen, noch erfahreneren Kollegen bestätigt, die Prüfung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Was fanden Sie besonders schwer?

Abgesehen davon, dass ich eine wahre MC-Phobie habe (lacht), war vor allem das Thema Komplikationsmanagement bei Interventionen eine Herausforderung, da man dies nicht selbst regelmäßig durchführt. Die Fälle waren gefühlt deutlich leichter, weil sie näher an der Praxis waren. Allerdings muss man in den Fallfragen in einer vorgegebenen Reihenfolge die Fragen beantworten und kann einen Fall, bei dem man „auf dem Schlauch steht“, nicht parken und den nächsten bearbeiten. Auch gab es viele Fragen, bei denen eine Mehrfachauswahl möglich war oder man Antworten ordnen musste – Fragen, die man nicht ohne Grund aus dem Staatsexamen verbannt hat.

Was würde Sie verbessern wollen?

Oben genannte Fragetypen würde ich vermeiden. Die Wartezeit vor der Prüfung war ebenfalls mit etwa eineinhalb Stunden unnötig lange – wir sind ja alle erwachsen und können Termine einhalten oder müssen mit der Konsequenz leben. Insgesamt sollten wir Radiologen uns überlegen, ob wir uns das Leben nicht selbst unnötig schwer machen. Ich habe mich mit vielen Kollegen aus allen Ecken der Welt unterhalten, und alle bestätigten den hohen Schwierigkeitsgrad der Prüfung. Wenn man in andere Fachgesellschaften lugt, sind die Zertifizierungen dort in einem guten Teil deutlich moderater. Insbesondere in Zeiten, in denen unser Facharzt an Bedeutung verliert und Zusatzqualifizierungen für viele Teilbereiche wie Kardio-, MSK-, Mammadiagnostik etc. wichtiger werden, würde ein wenig Augenmaß guttun. Nichtsdestotrotz war die Prüfung eine gute Erfahrung, und man hat während der Zeit eine ganze Menge neuer Bekanntschaften mit Kollegen aus vielen Winkeln dieser Welt geschlossen; die gemeinsame Situation hat uns eng zusammengeschweißt.

Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Dr. Kerstin Westphalen, DeGIR-Team Öffentlichkeitsarbeit.