Die DeGIR im Morgenland

Zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 19. Juni 2019

Vom 7. bis 10. März 2019 fand im indischen Goa der Kongress der Indian Society of Vascular and Interventional Radiology (ISVIR) statt. Dies wollten sich die DeGIR-Mitglieder Professor Marcus Katoh, PD Dr. Peter Isfort, Professor Moritz Wildgruber, Prof. Marco Das und Professor Peter Minko nicht entgehen lassen, nicht zuletzt weil extra eine gemeinsame Session „DeGIR meets India“ angesetzt wurde. Leider konnten Professor Das und Professor Minko aufgrund des eskalierenden Konfliktes zwischen Indien und Pakistan die Reise nicht antreten, da ihre Flüge ungünstig verschoben wurden. So ist das folgende Interview mit den verbliebenden Indienreisenden umso spannender.

Liebe Kollegen, wie haben Sie den Kongress in Indien und das Treffen mit der ISVIR erlebt?


PD Dr. Peter Isfort, Prof. Dr. Moritz Wildgruber und Prof. Dr. Marcus Katoh auf dem Kongress der ISVIR in Indien.PD Dr. Peter Isfort, Prof. Dr. Moritz Wildgruber und Prof. Dr. Marcus Katoh auf dem Kongress der ISVIR in Indien.Isfort: Bei dem Kongress handelte es sich um einen vornehmlich edukativen Kongress, bei dem viele unterschiedliche Aspekte der Interventionellen Radiologie (IR) besprochen wurden. Wissenschaftliche Themen wurden nur am Rand behandelt. Es ging eher darum sich auf etablierte Themen der IR zu konzentrieren. Der Kongress wurde komplett auf Englisch gehalten, da es in Indien in gehobenen Kreisen so üblich ist. Damit konnten wir an allen Sitzungen teilnehmen. Die meisten Referenten kamen aus Indien, jedoch auch indische Ärzte, die im Ausland praktizieren, z.B. in Großbritannien und den USA waren eingeladen. Hierdurch war die Qualität der Vorträge nicht nur sprachlich sehr hoch, sondern auch fachlich.

Katoh: Das Treffen mit der ISVIR war überaus gastfreundlich. Der Präsident Dr. Vimal Someshwar sowie sein Sekretär Dr. Arun Gupta, welcher für die Organisation verantwortlich war, haben uns sehr wohlwollend aufgenommen. Nach der Sitzung „DeGIR meets India“ haben wir als Dankeschön einen Schal umgelegt bekommen, was in Indien üblich ist. Zudem haben wir als Dankeschön einen kleinen Holzelefanten erhalten. Großes Interesse hatten die Kollegen natürlich daran, dass wir aus dem Land kommen, indem die Röntgenstrahlen erfunden wurden. Daher war die Begeisterung natürlich sehr groß, als ich über den Erwerb des Geburtshauses von Wilhelm Conrad Röntgen durch die Deutsche Röntgengesellschaft und der Einrichtung einer Stiftung gesprochen habe.

Was waren die „Hot-Topics“ auf dem Kongress?


Isfort: Dadurch, dass der Kongress einen Fortbildungscharakter hatte, wurden viele verschiedene Themen angesprochen. Hervorgehoben wurden Therapiemöglichkeiten des HCC, aufgrund der großen Prävalenz in Indien. Des Weiteren wurde vermehrt über Myomembolisationen gesprochen.

Wohin geht die Reise der IR in Indien?


Katoh: Ich war sehr überrascht, dass ein Land welches ca. 1,3 Milliarden Einwohner hat lediglich 600 bis 700 Mitglieder in einer interventionellen Gesellschaft besitzt. Dies ist die Hälfte der DeGIR Mitglieder! Daran erkennt man zum einen, dass die Interventionelle Radiologie noch nicht so verbreitet ist, was aber zum anderen an der großen Armut im Land liegt. Wenige Menschen haben damit Zugang zu solch neuen minimal-invasiven Therapieverfahren. Daher war ich auch überrascht, welch großes Spektrum die IR auf dem Kongress hatte. Es wurden Therapien von Lymphgefäßen, pAVK, seltene AVMs, verschiedenste Tumortherapien bis hin zur Embolisation von Prostaten und Myomen gezeigt. Daher sehe ich ein großes Potential für die Verbreiterung und Weiterentwicklung der IR in Indien.

Was waren die Vortragsthemen die im Rahmen der Sitzung „DeGIR meets India“ auf dem Kongress gezeigt wurden?


Isfort: Dadurch, dass wir ja leider nur drei von ursprünglich fünf Vortragenden waren, mussten wir die Vorträge der beiden fehlenden übernehmen. Zunächst hatte Professor Katoh die DeGIR vorgestellt. Daraufhin hatte er den Vortrag „Venöse Interventionen bei akuter und chronischer Thrombose“ von Professor Das übernommen. Ich habe über die IRE bei der Therapie von HCCs gesprochen. Professor Katoh hatte dann wiederum den Vortrag von Professor Minko über die nicht-okklusive mesenteriale Ischämie (NOMI) gehalten. Professor Wildgruber stellte daraufhin interventionelle Therapien von vaskulären Malformationen vor, gefolgt von dem Vortrag von Professor Katoh über Prostata Embolisationen.

Was hat Euch am meisten vom Kongress und von Indien beeindruckt?


Isfort: Die überaus große Gastfreundschaft und Fröhlichkeit am Leben und das trotz der vorherrschenden Armut im Land. Dadurch, dass der Kongress außerhalb von Goa war, waren die Kongressteilnehmer auch am Abend zusammen. Jeden Abend gab es somit eine mal kleinere oder größere Veranstaltung. Mit dem letzten Vortrag am Kongresstag wurde wirklich ein Schalter umgelegt und das Leben genossen und meist im feinsten „Bollywoodstyle“ los getanzt.
Katoh: Beindruckend für mich waren die Erfahrungen als wir den Veranstaltungsort und dasHotel verlassen hatten. Hier haben wir erkannt in was für einer „Käseglocke“ wir leben. Die ausgeprägte Armut vor den Toren der Stadt und dem Hotel war niederschmetternd. Was mich dabei jedoch beindruckt hatte war die Freundlichkeit, mit der die Menschen auf meist engstem Raum unter fragwürdigen Bedingungen zusammenleben, ohne einen Hauch von Aggressivität. Im krassen Gegensatz stand dazu das sehr hohe Niveau der Themen und Inhalte der Vorträge auf dem Kongress. Dies lag zum Teil auch an den indisch stämmigen Vortragenden, die meist im Ausland eine Ausbildung absolvierten und praktizieren. Diese kommen aus ideologischen Gründen zurück ins Land, um von dem erworbenen intellektuellen und monetären Reichtum wieder etwas zurück ins Land zu bringen.

Hat euch bei der gemeinsamen Session „DeGIR meets India“ etwas gefehlt?


Isfort: Einen Einblick in ein indisches Krankenhaus zu erhalten wäre ein Zugewinn gewesen. Damit hätte man den Kolleginnen und Kollegen mal über die Schulter schauen und einen tieferen Einblick in die tägliche Routine und Abläufe bekommen können. Dies war jedoch nicht möglich, da die interessanten Krankenhäuser vom Kongressort zu weit weg waren. Eine Hospitation im Rahmen solch einer Kongressreise würde beiden Seiten sehr zugute kommen. Hierdurch könnten wir unser Wissen direkt praxisnah mit einbringen und gleichzeitig von den indischen Kolleginnen und Kollegen lernen.

Wie groß war der Frauenanteil der Teilnehmenden und Referierenden auf dem ISVIR?


Katoh: Der Anteil an Frauen in der ISVIR und auf dem Kongress war vergleichbar mit den Anteilen bei DeGIR und auf dem IROS. Entsprechende Programme zur Förderung und Erhöhung des Frauenanteils in der ISVIR gab es nicht.

Ihr wurdet in Indien sehr herzlich aufgenommen. Ergaben sich daraus auch beruflich neue Kontakte oder sogar Kooperationsgedanken?


Katoh: Ich stehe mit dem Präsidenten sowie seinem Sekretär in Kontakt. Wir sind in der Planung, dass die Kollegen uns hier in Deutschland besuchen werden. Die sprachliche Barriere ist jedoch ein Punkt, da unsere nationalen Kongresse beinahe ausschließlich auf Deutsch gehalten werden. Auf dem RöKo gibt es ja bereits „RöKo International“, das müsste man vielleicht auch mal für den IROS im Auge haben. Das Interesse der Kollegen aus Indien ist groß nach Deutschland zu kommen und ich sehe Möglichkeiten daraus eine gute Partnerschaft mit der DeGIR zu entwickeln.



Das Interview führte Prof. Dr. Peter Minko, DeGIR-Team Öffentlichkeitsarbeit