Interview

Mit dem „Health Pavillon“ Berufserkrankungen vorbeugen

Zuletzt aktualisiert: Freitag, 24. Mai 2019

Interventionell tätige Radiologinnen und Radiologen sind in ihrem Berufsalltag zahlreichen berufsbedingten Belastungen ausgesetzt. Dies betrifft in erster Linie die regelmäßige Exposition gegenüber Röntgenstrahlung, jedoch wird auch der Bewegungsapparat sehr beansprucht. Mit dem „Health Pavillon“ will die DeGIR auf diese Aspekte hinweisen und dafür sensibilisieren. Ideengeber Professor Dr. Andreas Mahnken erläutert im Interview das Konzept.


Prof. Dr. Andreas MahnkenProf. Dr. Andreas MahnkenErstmalig präsentierte sich der „Health Pavillon“ auf dem IROS 2019 in Berlin. Was verbirgt sich hinter dieser Idee?

Mahnken: Entgegen der landläufigen Meinung sind Radiologen, und hier insbesondere interventionelle Radiologen, Tag für Tag einer erheblichen körperlichen Belastung ausgesetzt. Dies bedeutet zum einen die regelmäßige Exposition gegenüber Röntgenstrahlung im Rahmen durchleuchtungsgesteuerter Prozeduren, zum anderen eine erhebliche Belastung des Bewegungsapparates beispielsweise durch das Tragen persönlicher Schutzausrüstung. Mit dem „Health Pavilion“ möchten wir auf diese berufsbedingten Belastungen aufmerksam machen. Der „Health Pavilion“ ist eine Plattform, die unter anderem mit Kurzvorträgen und Gesprächsmöglichkeiten über berufliche Krankheitsprävention interventionell tätiger Radiologen informiert.

Wen wollen Sie mit diesem Thema erreichen?

Mit dieser Initiative sollen alle Radiologen – in Diagnostik und Intervention – angesprochen werden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den jungen Kollegen. Sie sollen besonders über Möglichkeiten zur Vorbeugung von berufsbedingten Risikosituationen informiert werden. Schließlich kommt die Vermeidung gesundheitlicher Schäden vor deren Therapie.

Wie war die Resonanz auf dem IROS?

Der auf dem IROS 2019 in Berlin erstmals präsentierte „Health Pavilion“ stieß auf großes Interesse. Insbesondere die Kurzvorträge aber auch die Präsentation möglicher Präventionstechniken lockten das interessierte Publikum an. Das Feedback der Besucher war sehr positiv.


Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Umgang dieses Themas unter den Radiologen?

Beim „Health Pavillon“ geht es nicht nur um den Strahlenschutz, sondern insbesondere auch um die Prävention orthopädischer Folgeschäden. Während das Bewusstsein für die Notwendigkeit des persönlichen Strahlenschutzes verbreitet ist, wird insbesondere die Belastung für den Bewegungsapparat selten bedacht. Dabei ist seit langem bekannt, dass sich körperliche Belastungen durch das Tragen schwerer Gewichte langfristig negativ auswirken kann; so sind Gelenkschäden oder chronische Rückenschmerzen nach langjähriger Belastung gut dokumentiert. Hier besteht unter Radiologen noch ein erheblicher Informationsbedarf.

Was planen Sie für die Zukunft? Wird es perspektivisch Schulungen vor Ort geben?

Der nächste Schritt nach dem erfolgreichen Start beim IROS 2019 ist die Vorstellung für ein breiteres Publikum beim Deutschen Röntgenkongress 2019. Für die kommenden Veranstaltungen sind mehr informative Kurzvorträge und ab 2020 erste Schulungen geplant. Hier denken wir an Kooperationen mit Gesundheitsdienstleistern, aber auch an Schulungen vor Ort, zum Beispiel durch Physiotherapeuten. Letzteres wird natürlich auch eine Frage des verfügbaren Budgets sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

Der Health Pavillon auf dem IROS

„Den Organisatoren ist es mit der erstmaligen Ausrichtung des „Health Pavillon“ auf dem IROS 2019 in Berlin gelungen interventionell tätigen Radiologinnen und Radiologen - auch außerhalb der Industriestände und Fachvorträge - eine unabhängige Plattform zum Informationsaustausch spezifischer berufsbedingter Belastungen zu ermöglichen.
Neben den Kurzvorträgen und Erfahrungsberichten über die Möglichkeiten kam es in den persönlichen Gesprächen am Stand zu einem regen, generationsübergreifenden, die nationalen Grenzen überschreitenden Informationsaustausch zur Vorbeugung von berufsbedingten Risikosituationen. Das Treffen am „Health Pavillon“  ist die ideale Plattform für die Präsentation neuester Forschung und den Erfahrungsaustausch.“

Prof. Dr. med. K. Wilhelm, Chefarzt der Radiologie aus Bonn und Besucher des IROS 2019