Neues aus der IR: Embolisation von Hämorrhoiden

Eine noch junge Methode mit Potenzial: Erste Studien zur Embolisation von Hämorrhoiden verweisen auf das neue Therapiekonzept als vielversprechende Ergänzung zu chirurgischen und medikamentösen Verfahren.

Hämorrhoiden sind arteriovenöse Gefäßpolster, welche am Übergang vom Rektum in den Analkanal oberhalb der Linea dentata liegen (ICD: K64.1-9). Diese kommen in ca. 80% der Bevölkerung vor und verursachen Juckreiz, Blutungen und Schmerzen beim Stuhlgang. Verschiedene Therapiekonzepte existieren, welche sich an den Schweregraden der Hämorrhoiden (Grad I bis IV) orientiert. Von der konservativ medikamentösen Therapie über die Sklerosierung bis hin zu chirurgischen Verfahren wie z.B. der Dopplergesteuerten Hämorrhoidal-Arterien-Ligatur (HAL) gibt es verschiedene Therapiekonzepte. Die letztgenannten chirurgischen Verfahren erfordern eine Vollnarkose sowie einen transanalen Zugang. Sie bedingen somit einen größeren Aufwand und sind nicht für alle Patienten geeignet.

Die Technik der Embolisation von Hämorrhoiden wurde bereits 1994 in einem russischen Journal von Galkin et al.1 auf Russisch beschrieben. Vidal et al.2 berichtete 2015 über die Embolisation von Hämorrhoiden und nannte diese Technik „Emborrhoid“. Hierbei wurden die Endäste der Arteria rectalis superior mit Spiralen embolisiert. In dieser kleinen Fallserie wurden Patienten mit stark beeinträchtigenden Blutungen aus Hämorrhoiden Grad II, III oder IV erfolgreich behandelt und es zeigte sich eine klinische Besserung der Symptome. Seit dieser Erstbeschreibung folgten zu dieser Technik weitere Beschreibungen mit größeren Patientenkollektiven, die eine sichere und effiziente Behandlung von Hämorrhoiden zeigen konnten 2-4. Die Embolisation erfolgt über einen transfemoralen oder auch transradialen Zugang in lokaler Betäubung mit Sondierung der A. mesenterica inf. Aufgrund des meist steilen Abgangs der A. mesenterica inf. empfiehlt sich die Verwendung eines Sidewinder-Katheters nach einem transfemoralen Zugang. Die selektive Sondierung des distalen Anteils der A. mesenterica inf. vor der Aufteilung der A. rectalis sup. und medialis erfolgt mittels eines Mikrokatheters (Abb. 1). Die selektive Embolisation der Gefäßäste erfolgt daraufhin mittels Mikrospiralen (Abb. 1).

Abbildungen: 1.

(A) DSA nach manueller KM-Injektion nach Sondierung der A. mesenterica inf. Es zeigen sich mehrere Gefäßäste der A. rectalis sup. und med., welche die Hämorrhoiden versorgen. (A) DSA nach manueller KM-Injektion nach Sondierung der A. mesenterica inf. Es zeigen sich mehrere Gefäßäste der A. rectalis sup. und med., welche die Hämorrhoiden versorgen. (B) Postinterventionem zeigt sich nach Embolisation mittels Spiralen keine Kontrastierung mehr der versorgenden Gefäßäste.(B) Postinterventionem zeigt sich nach Embolisation mittels Spiralen keine Kontrastierung mehr der versorgenden Gefäßäste.Wie bei anderen interventionellen Methoden (z.B. Uterusmyom- und Prostataembolisation) ist es entscheidend, dass eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den zuweisenden Kollegen besteht, damit beide Seiten von dem neuen Therapieverfahren profitieren. Die Außenwirkung solch neuer Therapiekonzepte kann allen beteiligten Fachdisziplinen großen Zulauf an Patienten bescheren. Dadurch kommt es zur Steigerung der Patientenzahlen sowohl für operative als auch interventionelle Prozeduren. Nicht alle Patienten sind für eine operative oder interventionelle Therapie geeignet. Die Embolisation von Hämorrhoiden kann z.B. zu Beginn bei Patienten angeboten werden, welche eine dauerhafte doppelte Plättchenaggregation benötigen. Dies sind Patienten, welche sich zunächst nicht für eine operative Versorgung qualifizieren.

Die Embolisation von Hämorrhoiden kann mittels der OPS-Ziffer 5-493.4 abgerechnet werden. Durch die Abrechnung dieser OPS-Ziffer kann die interventionelle Prozedur auch als Fall für die Zertifizierung eines Proktologischen Zentrums verwendet werden. Dies steigert wiederrum die Motivation der zuweisenden Kollegen und erhöht somit den gemeinsamen Erfolg.

Insgesamt kann man festhalten, dass die Embolisation von Hämorrhoiden eine noch junge Methode ist, welche durch weitere Studien bestätigt werden muss. Die aktuell vorliegenden Studien sind jedoch vielversprechend und bieten somit Patienten eine weitere Therapieoption bei der Behandlung von Hämorrhoiden.

Der Autor:
Prof. Dr. Peter Minko, DeGIR-Team Öffentlichkeitsarbeit

Quellen:

1. Galkin EV et al.: Interventional radiology of chronic hemorrhoids. Vestn Rentgenol Radiol. 1994 Jul-Aug;(4):52-6

2. Vidal V et al.: Emborrhoid: a new concept for the treatment of hemorrhoids with arterial embolization: the first 14 cases. Cardiovasc Intervent Radiol 2015; 38: 72-8

3. Venturini M et al.: Embolization of superior rectal arteries for transfusion dependent haemorrhoidal bleeding in severely cardiopathic patients: a new field of application of the "emborrhoid" technique. Tech Coloproctol. 2018 Jun;22(6):453-455

4. Tradi F et al.: Embolization of the Superior Rectal Arteries for Hemorrhoidal Disease: Prospective Results in 25 Patients. J Vasc Interv Radiol. 2018 Jun;29(6):884-892

5. Zakharchenko A et al.: Safety and efficacy of superior rectal artery embolization with particles and metallic coils for the treatment of hemorrhoids (Emborrhoid technique). Diagn Interv Imaging. 2016 Nov;97(11):1079-1084