24/7-Interventionsdienst im Krankenhaus – ein Plädoyer

Die Interventionsradiologie wird für die Akutversorgung in Krankenhäusern zunehmend wichtiger. Prof. Dr. Ralph Kickuth, Leiter der Interventionellen Radiologie am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums Würzburg, spricht sich daher für einen Rund-um-die-Uhr-Interventionsdienst in Krankenhäusern aus.

Die Interventionelle Radiologie nimmt aufgrund ihres minimal-invasiven Charakters nicht zuletzt dank der Entwicklung immer feinerer High-Tech-Materialien eine zunehmend relevante Rolle insbesondere bei der Behandlung akuter Krankheitsbilder ein. In diesem Kontext korreliert das dargebotene therapeutische Spektrum sehr eng mit der Struktur und fachlichen Ausrichtung des jeweiligen Krankenhauses. Dieses reicht z.B. von der Behandlung traumatischer bzw. iatrogener Blutungen, über die Versorgung von Aortendissektionen bzw.- rupturen bis hin zur Therapie der akuten Extremitätenischämie bzw. des akuten ischämischen Schlaganfalls. Neue Behandlungsverfahren ergänzen laufend das ohnehin schon breite Portfolio und verdrängen nach und nach die invalideren operativen Prozeduren. Diesen Entwicklungen sollte auch von Seiten der Krankenhausträger Rechnung getragen werden – in Form eines 24/7-Interventionsdienstes.

Die Gründe hierfür sind mannigfach. Zum einen ist hinreichend bekannt, dass minimalinvasive interventionelle Prozeduren im Akutsetting im Vergleich zu den traditionellen operativen Verfahren oftmals mit geringeren Mortalitäts-, Morbiditäts- und Komplikationsraten einhergehen. Es ist unbestritten, das geringere Morbiditäts- und Komplikationsraten auch die Folgekosten nach einem Eingriff erheblich reduzieren. Je nach behandelter Akutpathologie kann durch die minimale Invasivität des Verfahrens die Belegungsrate „begehrter“ und teurer intensivpflichtiger Betten erheblich reduziert werden. Zum anderen sind bestimmte interventionelle Verfahren, wie z.B. die Stellung von Hämorrhagien nach Pankreaschirurgie oder die Thrombektomie beim akuten Schlaganfall gerade innerhalb eines 24/7-Akutsettings nahezu alternativlos, da bei den genannten Fällen aufgrund eines nur engen Zeitfensters schnell und mit möglichst kleinem Eingriff gehandelt werden muss.
Mittlerweile wurden einige richtungsweisende Leitlinien verabschiedet, die die Wichtigkeit der Interdisziplinarität unter 24/7-Bedingungen mit Beteiligung der Interventionellen Radiologie klar definieren. Um darüber hinaus die Anerkennung z.B. als Level-I-Traumazentrum oder Stroke-Unit zu erlangen, ist die Beteiligung der Interventionellen Radiologie bzw. Neuroradiologie unerlässlich. Die Anerkennung als Zentrum stellt hierbei oftmals ein regionales bzw. überregionales Alleinstellungsmerkmal dar und trägt fast schon automatisch zu einer zusätzlichen Patientenakquise bei, die durchaus auch eine Anhebung des Case-Mix-Index eines Krankenhauses zur Folge haben kann (z.B. durch die Behandlung polytraumatisierter Patienten). Zudem führen interdisziplinäre Behandlungskonzepte vielfach zu optimierten Behandlungsalgorithmen, die in erheblichem Maße den einzelnen Patienten zugute kommen.

Die Interventionelle Radiologie und ihre interdisziplinäre Bedeutung kann jedoch nur dann dauerhaft von anderen Fachdisziplinen wahrgenommen werden, wenn angebotene Therapiepfade nicht nur innerhalb des normalen Routinebetriebs, sondern auch in der Nacht und am Wochenende Bestand haben. Dabei muss sowohl bei der Einstellung neuer Kolleg/innen als auch bei der Dienstplanung durch den Krankenhausträger berücksichtigt werden, dass die zuständigen interventionellen Kollegen eine teils auf komplexe Eingriffe ausgerichtete Expertise vorhalten müssen.

Es liegt nicht zuletzt in der Verantwortung unserer Fachgesellschaft, durch unterstützende Maßnahmen, wie z.B. eine Qualitätserhebung in Bezug auf die notfallmäßige Behandlung bestimmter Krankheitsbilder, das Bewusstsein für die Wichtigkeit eines radiologischen 24/7h-Interventionsdienstes bei Krankenhausträgern und den Versicherern zu schärfen.

Der Autor:
Prof. Dr. Ralph Kickuth, DeGIR-Team Öffentlichkeitsarbeit