Gemeinsam sind wir stark

2018 wurde in Erfurt auf dem Deutschen Ärztetag die neue (Muster-)Weiterbildungsordnung (MWBO) verabschiedet. Diese wird nun über die Landesärztekammern in landesärztekammerspezifische Weiterbildungsordnungen überführt. Was hat sich mit Blick auf die Interventionsradiologie geändert?

Ein zentrales Ergebnis ist, dass die Radiologie als Fach erstmals der direkten Patientenversorgung zugeordnet ist. Dies ist auch stark auf die Interventionelle Radiologie zurückzuführen, deren minimal-invasive Therapieverfahren seit vielen Jahren fester Bestandteil der Weiterbildung in der Radiologie sind. Damit treten wir endgültig aus dem Schatten der klinischen Kolleginnen und Kollegen.

Die Anzahl der während der Weiterbildung durchzuführenden Interventionen wurde von 250 auf 300 angehoben, darunter 60 vaskuläre und 50 nicht-vaskuläre Interventionen. Dies mag verwundern, hilft uns Radiologinnen und Radiologen aber, unsere spezifische Expertise für Interventionen nachzuweisen.

Jedoch ist für uns nicht nur entscheidend, welche Weiterbildungsinhalte die novellierte MWBO für unser Fach festschreibt, sondern auch für die unmittelbar angrenzenden Fachbereiche. So beinhaltet die MWBO für das Fach Angiologie zwar Interventionen, allerdings ohne eine konkrete Richtzahl und ohne eine Differenzierung der Körperregionen. Für die Gefäßchirurgie wiederum weist die MWBO zwar die gleichen Richtzahlen für Interventionen auf, aber ebenfalls ohne eine Differenzierung der Körperregionen. Dies bedeutet, dass ein gefäßchirurgischer Kollege die Interventionszahl mit z.B. EVAR-Implantationen erreichen kann, die Unterschenkel-Intervention aber weiterhin die Domäne für unsere radiologische Expertise bleiben.

Die Weiterbildungszeit von fünf Jahren wurde übrigens nicht geändert.

All dies konnte nur erreicht werden, weil unsere gemeinsame MWBO-Arbeitsgruppe aus der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG), dem Berufsverband der Radiologen (BDR), der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR), dem Berufsverband Deutscher Neuroradiologen (BDNR), der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie (GPR) sowie der DeGIR stets einheitlich als Vertreter des Fachs Radiologie aufgetreten sind. Hierdurch wurden wir als große Berufsgruppe wahrgenommen, die mit einer Stimme spricht. Wir danken allen beteiligten Kolleginnen und Kollegen, die in langen und diskussionsreichen Sitzungen mit allen Fachabteilungen gerungen und dieses gute Ergebnis für uns auf den Weg gebracht haben!

Die vollständige neue Musterweiterbildungsordnung finden Sie auf der Webseite der Bundesärztekammer

Die Autorin:
Dr. Kerstin Westphalen, DeGIR-Team Öffentlichkeitsarbeit