Die „Flinken Finger“ üben Interventionsradiologie live

Das neue DeGIR-Patenschaftsprogramm „Flinke Finger“ feierte seine Premiere auf dem Interventionell-radiologischen Olbert Symposium (IROS) im Januar 2019 in Berlin. Neun Weiterbildungsassistenten in der Radiologie übten unter fachkundiger Anleitung, Interventionen an Simulatoren durchzuführen. Dr. Benedikt Neubauer, der im dritten Jahr seine Facharztausbildung am Ordensklinikum Linz absolviert, berichtet von seinen Erfahrungen.

Wann und wie haben Sie Ihr Interesse an der Interventionellen Radiologie entdeckt?

Dr. Benedikt NeubauerDr. Benedikt NeubauerIn unserem onkologisch geprägten Haus kam ich vor einem Jahr zum ersten Mal in Kontakt mit der Interventionellen Radiologie. Angefangen hat dies mit der Anlage von peripherally inserted central catheters, kurz PICC, mit denen ich die Basics von Punktionen inklusive der Handhabe von Sonographiegeräten gelernt habe. Schon hierbei merkte ich, dass mir die interventionelle Radiologie Spaß macht. Außerdem konnte ich erste Erfahrungen bei Ultraschall- und CT-gesteuerten Punktionen erlangen, was mein Interesse weiter steigerte.

Was ist für Sie das Besonders am „Flinke Finger“-Kurs?

An verschiedenen Simulatoren kann ich das gesamte Spektrum der interventionellen Radiologie erlernen und mir durch Kurzvorträge im Kurs theoretisches Basiswissen strukturiert aneignen. Insbesondere Beckenbeinangiographien sind an meinem jetzigen Ausbildungsstandort selten, werden aber im Zuge meiner weiteren Ausbildungsrotation bald eine größere Rolle spielen, weswegen es für mich sehr gut war, diese im Rahmen des Kurses zu üben.

Welche Simulatoren kamen zum Einsatz und welche finden Sie am lehrreichsten?

Die Flinken Finger in Aktion auf dem IROS 2019. Foto: DeGIR/HaussDie Flinken Finger in Aktion auf dem IROS 2019. Foto: DeGIR/HaussVerwendet wurden ein physikalischer und ein elektronischer Simulator. Die Kombination der beiden war perfekt. Beim physikalischen Simulator konnte man etwa genau nachvollziehen, wie sich der Draht und der Katheter im Raum, sprich im Gefäß, verhalten. Super war, auch mal Ballonkatheter und Stents freizulegen, um zu sehen, was da wirklich passiert und nicht nur das Angiographiebild zu sehen. Das war ideal, um das räumlichen Vorstellungsvermögen zu verbessern und die Arbeitsweise des Katheters zu verstehen. Die eingestreuten Kurzvorträge mit ihren theoretischen Aspekten waren die perfekte Ergänzung zu den Übungen an den physikalischen Simulatoren. Die elektronischen Simulatoren waren genial für den Wissenstransfer und das Üben realer Fälle.

Was ist Ihr Gesamteindruck von den „Flinken Fingern“?

Den Kurs finde ich richtig gelungen, er hat Spaß gemacht und war sehr interessant. Bei der Kommunikation ist es wirklich hilfreich, dass die Tutorinnen und Tutoren jung sind. So spricht man auf Augenhöhe miteinander und bekommt Interventionen von Grund auf beigebracht. Zudem verliert man dadurch Berührungsängste und nähert sich so sehr schnell den verschiedensten Interventionsthemen an.

War die Zeit zum Üben an den Simulatoren ausreichend?

Am Anfang dachte ich, dass drei Stunden sehr lang seien. Aber dann war ich überrascht, wie schnell die Zeit verging. Von Vorteil ist die geringe Gruppengröße: Maximal drei Leute an einer Arbeitsstation sind perfekt, da lernt man am meisten. Auf diese Weise hätte ich den ganzen Tag an den Simulatoren verbringen können.

Wie haben Sie Ihren Chef davon überzeugen können, an diesem Kurs teilzunehmen?
Glücklicherweise musste ich hier keine Überzeugungsarbeit leisten, sondern wurde sogar vom Chef direkt angesprochen, ob ich an dem Programm teilnehmen möchte. Hier würde es sicher helfen, ein bisschen die Werbetrommel zu rühren, damit möglichst viele interessierte Kollegen die Möglichkeit haben, sich für das Programm zu bewerben.

Gibt es einen Oberarzt oder eine Oberärztin, der oder die Sie als Mentor beim Erlernen von Interventionen unterstützt?

Ja, Oberarzt Dr. Hackl hat mir die Interventionelle Radiologie von der Pike auf näher gebracht. Für die Ausbildung war besonders hilfreich, dass er mir als junger Oberarzt Interventionen auf Augenhöhe erklärt hat, mich langsam heranführte und unter Anleitung selbständig Interventionen durchführen ließ.

Institutsleiter/innen und Weiterbildungsbefugte in der Radiologie können als Patin oder Pate für interessierte Kandidat/innen aktiv werden. Was halten Sie von diesem Konzept?

Es hilft ungemein dabei, die gewonnen Kenntnisse zu Hause auch umsetzen zu können. Schließlich hat der Pate aus dem eigenen Institut Interesse an der Weiterentwicklung und fragt nach, was man während des Kurses gelernt hat.

Was könnte man an dem Kurs verbessern?

Um das Networking zu verbessern, wäre mein Vorschlag, ein kleines „Get-Together“ zu organisieren, um die anderen Kolleginnen und Kollegen mal kennenzulernen und sich auszutauschen. Neue Kontakte sind zudem mit Blick auf Hospitationen in anderen Kliniken spannend.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Prof. Dr. Peter Minko, DeGIR-Team Öffentlichkeitsarbeit.


Die Finken Finger auf dem RöKo

Interessierte Assistenzärztinnen und -ärzte sowie Studierende können auf dem 100. Deutschen Röntgenkongress Interventionen ausprobieren – ebenfalls wieder unter der Anleitung erfahrener Tutoren. Zudem gibt es einen Fit für den Facharzt-Kurs zur Einführung in die Interventionelle Radiologie:


WS 401  -  Flinke Finger - Workshop für Assistenzärzte  -  01.06.2019  -  9:00-12:00  -  Workshop-Bereich II


WS-STUD 405  -  Flinke Finger cand. med. - Workshop für Studierende  -  01.06.2019  -  13:00-16:00  -  Workshop-Bereich II


FFF 103  -  Interventionelle Radiologie für Einsteiger - Fit für den Facharzt  -  29.05.2019  -  15:45-17:00  -  Raum Röntgen


Mehr Informationen: www.roentgenkongress.de