„Von Kopf bis Fuß“ interaktiv: Jubiläums-IROS in Berlin

Vis-à-vis zum Berliner Alexanderplatz fand vom 10. bis 12. Januar 2019 das 10. Interventionell-Radiologische Olbert Symposium – kurz IROS – unter der Leitung von Kongresspräsidentin Ao. Univ. Prof. Dr. Maria Schoder statt. Neue Veranstaltungsformate wie die Fokuskurse mit „Live-in-Box“-Präsentationen und das Nachwuchs-Patenprogramm „Flinke Finger“ sowie aktuelle Hot Topics sorgten für Themenvielfalt.
Das Interventionell Radiologische Olbert Symposium feierte als Dreiländertagung der Deutschen (DeGIR), Österreichischen (ÖGIR) und Schweizerischen (SSVIR) Gesellschaft für interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie sein 10-jähriges Bestehen. Der Grundstein für diesen Fortbildungskongress wurde bereits vor 38 Jahren von Prof. Dr. h.c. Friedrich Olbert, damals Leiter des Arbeitskreises für kardio-vaskuläre Radiologie in Wien, gelegt. Gemeinsam mit Prof. Johannes Lammer und weiteren österreichischen Pionieren und namhaften Fachkollegen aus Deutschland und der Schweiz wurde das jährlich stattfindende Symposium weiterentwickelt und intensiviert. Aus Arbeitskreisen entwickelten sich interventionell-radiologische Fachgesellschaften – in Österreich im Jahr 2006 und in Deutschland 2008.

Vor dem Hintergrund der stetig steigenden Anforderungen und der Weiterentwicklung im Bereich minimal-invasiver Therapieverfahren stellen sich die Fachgesellschaften der Verantwortung, die Rahmenbedingungen für die Ausbildung und kontinuierliche Fortbildung zu schaffen und Forschungstätigkeiten zu fördern. Entsprechend diesem Leitgedanken bot das Olbert-Symposium 2019 unter dem Motto „Von Kopf bis Fuß“ eine breite Themenauswahl. Die rund 850 Teilnehmenden konnten ihr Wissen über vaskuläre, onkologische und neuroradiologische interventionelle Therapieverfahren auffrischen und vertiefen.

Ein wesentlicher Bestandteil des IROS ist das Angebot an Basis- und Spezialkursen für die zertifizierte Fortbildung und die Vorbereitung für die Stufe 2-Modulprüfung.

Hot Topics, wie Prostata- oder Myomembolisation, aber auch aktuelle Therapiekonzepte für Lebertumore und fortgeschrittene Techniken bei pAVK waren sehr beliebt. Diese Highlight-Themen wurden durch Präsentationen von klinischen Kolleginnen und Kollegen anderer Fachbereiche, etwa zum Thema Nephropathie bei Kontrastmittelgabe, bereichert und sorgten für aufschlussreiche interdisziplinäre Diskussionen in den Sitzungen „Der heiße Stuhl“.

Einige Sitzungsformate feierten beim IROS 2019 Premiere. In der Eröffnungsveranstaltung unter dem Motto „Von Damals in die Gegenwart und Zukunft“ sprachen hochverdiente Kollegen bei der Ehrung zu ihren fachlichen Steckenpferden und Spezialgebieten. Diese Themen wurden anschließend von jungen Kolleginnen in der Gegenwarts- und Zukunftsperspektive dargestellt, wodurch für die Zuhörer ein interessanter Themenbogen gespannt wurde. Ein weiteres neu gestaltetes Sitzungsformat waren die Fokuskurse, in denen thematisch abgestimmte „Live-in-Box“-Präsentationen von den Operateuren „on Stage“ kommentiert wurden und die Vortragenden dem Publikum auch unmittelbar Rede und Antwort standen. Diese Fokusvorträge zu Verfahrenstechniken und Materialien, wie z.B. venöse Rekanalisationen, Behandlung von Pathologien der Niere oder komplexe aorto-iliakale Revaskularisation fanden allgemein großen Zuspruch.

Erstmalig ging auch das Nachwuchsprogramm der „Flinken Finger“ an den Start. Junge Kolleginnen und Kollegen wurden erfolgreich an Angiographie-Simulatoren trainiert. Geübt wurde während der gesamten Kongressdauer an physikalischen wie elektronischen Simulatoren. Sie ermöglichten unerfahrenen aber auch erfahrenen Teilnehmenden, an zahlreichen Fällen ein großes Spektrum von vaskulären Interventionen zu trainieren – darunter auch akute Eingriffe wie Thrombektomien bei Schlaganfall und Beckenblutung. In der „Morbidity & Mortality“-Konferenz wurden erstmals Komplikationsfälle interaktiv aufgearbeitet, wobei die Kollegen gefordert waren, in Zweiergespannen Lösungsansätze für den präsentierten Fall darzustellen.

Bereits zum IROS-Klassiker geworden und auch diesmal wieder sehr beliebt bei Jung und Alt war das Format „Ein Fall der mich nicht schlafen ließ“. Fehlen durften auch die Zertifizierungsprüfungen nicht. Im Rahmen des DeGIR- /DGNR-Zertifizierungsprogramms wurden insgesamt 18 Prüfungen in den Modulen A-D und 12 Prüfungen im Modul E durchgeführt.

Die Autoren:
Dr. Kerstin Westphalen und Prof. Dr. Peter Minko, DeGIR-Team Öffentlichkeitsarbeit