INTERVIEW

Interventionsradiologie auf LinkedIn

Prof. Dr. Heiko Alfke hat einen bisher noch ungewöhnlichen Weg gefunden, um seine fachliche Expertise mit anderen Radiologinnen und Radiologen zu teilen: Regelmäßig veröffentlicht der Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Klinikum Lüdenscheid auf dem sozialen Netzwerk LinkedIn Bilder radiologischer Interventionen und erklärt diese. Was ist seine Motivation? Das und vieles mehr haben wir Professor Alfke im Interview gefragt.

Professor Heiko Alfke © PrivatProfessor Alfke, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Interventionsbilder auf LinkedIn zu veröffentlichen?
Professor Alfke: Ich habe mich vor ein einigen Monaten auf LinkedIn aus reiner Neugierde angemeldet. Ich informiere mich hier über berufliche und berufsnahe Themen, neben rein radiologischen Themen insbesondere über Digitalisierung in der Medizin und klimarelevanten Themen. Darüber hinaus nutze ich die Fortbildungsmöglichkeiten auf LinkedIn zu den Themen Anwendersoftware, Management, Data Science und ähnliches. LinkedIn ist allerdings ein soziales Netzwerk und so stellte ich mir die Frage, was ich inhaltlich beitragen kann und wo eventuell noch eine Lücke im Angebot vorliegt. Ich bemerkte dann, dass nur relativ wenige Kolleginnen und Kollegen interventionsradiologische Fälle und Inhalte dort veröffentlichen und fing dann selbst damit an.

Sehen Sie Ihre Beiträge auf LinkedIn als Fortbildung für Kolleginnen und Kollegen oder geht es Ihnen eher um Austausch und Vernetzung?
Beides. Natürlich hoffe ich, dass die vorgestellten Themen, die meist wie Fallberichte aufgebaut sind, zur Auffrischung genutzt werden können. Spannend wird es auch vor allem, wenn andere Kolleginnen und Kollegen Kommentare abgeben und ihren eigenen Input liefern. Davon profitieren die Fallvorstellungen und es haben sich daraus auch schon interessante Kontakte ergeben.

Wie ist die bisherige Resonanz aus der radiologischen Community? Interventionsradiologie auf LinkedIn © DeGIR
Für mich als „Social Media“-Neuling erstaunlich gut. Jeder Fall wird von mehreren hundert Kolleginnen und Kollegen angeschaut und ich bekomme auch positives Feedback im Sinne von Likes. Mittlerweile folgen mir auch einige jüngere Radiologinnen und Radiologen, was ich als Interesse vor allem an den Fallvorstellungen interpretiere.

Sind Ihre Beiträge auch eine Chance, junge Radiologinnen und Radiologen für die interventionelle Radiologie zu begeistern?
Davon bin ich überzeugt. Nicht an jeder Weiterbildungsstelle kann das volle Spektrum der Interventionsradiologie selbst erlernt und erfahren werden. Insofern ist es schon mal interessant, auch seltenere Interventionen kennenzulernen beziehungsweise sein Wissen aufzufrischen. Die fallbasierten Vorstellungen ermöglichen auch ein praxisnahes Lernen in kleinen Wissenshappen und ohne großen Zeitaufwand. Mit zunehmender Kenntnis der reichhaltigen Möglichkeiten der Interventionsradiologie steigt dann sicher auch die Begeisterung für das Fach.

Könnte man über LinkedIn-Beiträge wie Ihre den Nachwuchs etwa für eine Mitgliedschaft und Mitarbeit in der DeGIR Gesellschaft für interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie gewinnen?
Das ist sicher möglich. Man könnte zum Beispiel ab und zu auch bei den Followerinnen und Followern dafür werben. Ich selbst bewerte Veröffentlichungen anderer Interventionsradiologinnen und -radiologen oder eben der DeGIR auch bewusst positiv. Das sehen dann teilweise wieder Personen, die mir folgen. Oder die DeGIR nutzt die Möglichkeit in der Kommentarfunktion aktiv auf sich aufmerksam zu machen. Soweit ich das verstanden habe, „belohnt“ der Algorithmus von LinkedIn Interaktionen zwischen Nutzenden, also Likes, Kommentare, Weiterleitungen von Veröffentlichungen etc. So können Netzwerke aus an Interventionsradiologie interessierten Mitgliedern auf LinkedIn entstehen.

Welche weiteren Pläne verfolgen Sie mit Ihrem LinkedIn-Account?
Ich versuche erst einmal einfach weiter interessante Beiträge zu veröffentlichen. Man sieht ja am Feedback, was auf besonderes Interesse stößt. Neben interventionsradiologischen Themen veröffentliche ich auch klassische Röntgenbefunde aus meiner Fallsammlung.  Ich habe mir auch überlegt, (interventions-)radiologische Arbeitstechniken intensiver vorzustellen. Im Prinzip eine Art „How I do it“. Aber das Ganze soll natürlich auch nicht zu aufwändig werden. Aufwand und Nutzen müssen in einem vernünftigen Verhältnis stehen.