Interview

Prof. Dr. Marco Das über die Weiterentwicklung der DeGIR-Zertifizierungen

Zuletzt aktualisiert: Montag, 16. Mai 2022

 „Mit der Weiterentwicklung der Zertifizierung unter dem Dach der DeGIR stellen wir die Weichen für eine positive Zukunft der Interventionellen Radiologie“

Auf Vorschlag des DeGIR-Vorstandes hat die DeGIR-Mitgliederversammlung am 05.04.2022 eine grundlegende Weiterentwicklung der DeGIR-Zertifizierungen beschlossen. Im folgenden Interview gibt Prof. Das einen Überblick über die DeGIR-Zertifizierungen und die wichtigsten Änderungen in diesem Zusammenhang.

Prof. Dr. med. Marco Das, MBA ist Chefarzt für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Helios Klinikum Duisburg sowie Sprecher der DeGIR-Lenkungsgruppe Zertifizierung. Die Stärkung und Weiterentwicklung der interventionellen Radiologie liegt ihm besonders am Herzen. Neben den Aktivitäten innerhalb der DeGIR engagiert er sich in weiteren Funktionen der DRG und der CIRSE (Mitglied in den Vorständen der AG Gesundheitspolitische Verantwortung und der  AG Thoraxdiagnostik in der DRG, CIRSE Research Committee, CIRSE ESIR Committe, Präsident der Rheinisch-Westfälischen Röntgengesellschaft RWRG).

Professor Das, warum war die Weiterentwicklung der Zertifizierungen erforderlich?

Die interventionelle Radiologie (IR) hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Sie ist als integraler Bestandteil in der Therapie einer Vielzahl von Erkrankungen nicht wegzudenken. Als Beispiel seien hier die interventionellen Verfahren zur PAVK, Tumortherapie (z.B. TACE und Ablation) oder der Schlaganfalltherapie zu nennen. So breit wie sich das Spektrum der Therapien darstellt, so wichtig ist es, die Verfahren ständig weiterzuentwickeln, aber auch die hohe Qualität und das Können der Interventionalistinnen und Interventionalisten in der Breite gegen Angriffe von außen zu verteidigen. Ein wichtiger Baustein hierzu ist die Zertifizierung durch die DeGIR, welche basierend auf dem erfolgreichen Modulkonzept, diese Qualität in den verschiedenen Teilbereichen der interventionellen Radiologie nachweist. Deshalb werden online-basierte Zertifizierungen in einzelnen Modulen vorbereitet.


Welche Ziele verfolgt die DeGIR mit ihren Zertifizierungen?

Eine Zertifizierung unter dem Dach der DeGIR erlaubt einen flächendeckenden Nachweis der Qualität, den die interventionell tätigen Radiologinnen und Radiologen in ihrem Alltag deutschlandweit erbringen. Keine andere Fachdisziplin ist so breit aufgestellt, wie die IR. Damit ist die Zertifizierung ein schwerwiegendes berufspolitisches Instrument zur Stärkung der IR. Durch das Konzept der Stufenzertifizierung ermöglicht die DeGIR es bereits jungen Kolleginnen und Kollegen den Einstieg in die IR zu bekommen, sodass durch die Zertifizierung auch der Nachwuchs gestärkt wird. Des Weiteren wird eine Homogenisierung mit der DGNR und der CIRSE angestrebt, was wiederum eine Stärkung der IR bedeutet.


Welche Zertifizierungen bietet die DeGIR an?

Es wird grundsätzlich zwischen Personenzertifizierung und Zentrumszertifizierung unterschieden. Die Personenzertifizierung beginnt mit der Stufe 1, welche bereits vor dem Facharzt erworben werden kann. Der Expertenstatus wird mit der Stufe 2 erworben, wobei hier die Wahlmöglichkeit zwischen einzelnen Modulen (je nach Schwerpunkt der interventionellen Tätigkeit) oder einer Gesamtzertifizierung über alle Module (mit Ausnahme der Neurointervention) besteht. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich als DeGIR-Zentrum zu zertifizieren, welches über die Personenzertifizierung hinaus Anforderungen an die Zentrumsstruktur stellt.

Was sind die wichtigsten Änderungen bei den Personenzertifizierungen von Stufe 1 und Stufe 2 für neue Antragstellende?


Die wichtigsten neuen Anforderungen der Stufe 1 bestehen darin, dass die Anzahl der geforderten CME-Punkte reduziert wurde, diese jedoch aus verpflichtenden DeGIR- Kursen erbracht werden müssen. Die Stufe 1 ist darüber hinaus verpflichtend für die Stufe 2. Für die Stufe 2 werden ebenfalls CME-Punkte aus verpflichtenden DeGIR-Kursen gefordert, sowie der Nachweis von 250 eigenständig durchgeführten Interventionen. Eine Prüfung soll über die digitale Plattform Conrad erfolgen. Der Weg über die europäische Prüfung EBIR bleibt ebenfalls erhalten. Wer diese Prüfung erfolgreich abgeschlossen hat, kann auf Antrag bei der DeGIR automatisch auch die Stufe-2-Zertifizierung erhalten, ohne weitere Voraussetzungen zu erfüllen. Die Module erhalten neue Bezeichnungen, welche eine bessere Außendarstellung ermöglichen (Modul A/B: DeGIR-Spezialist:in für minimal-invasive Gefäßmedizin, Modul C: DeGIR-Spezialist:in für minimal-invasive Therapien, Modul D: DeGIR- Spezialist:in für minimal-invasive Onkologie). In Abstimmung mit der DGNR wurden auch für die Module E und F neue Bezeichnungen gefunden (Modul E: DeGIR-/DGNR-Spezialist:in für minimal-invasive Schlaganfalltherapie, Modul F: DeGIR-/DGNR-Spezialist:in für Gefäßmalformationen, Module E und F: DeGIR-/DGNR-Spezialist:in für neurovaskuläre Therapie).


Was sind die neuen DeGIR-Zentren?

Die neuen DeGIR-Zentren vereinen die bisherigen Zentren unter einer Bezeichnung. Das Antragsverfahren wird vereinfacht. Die neuen DeGIR-Zentren vereinen somit die Funktionen der Ausbildung, Hospitation und Referenzzentren unter einer Bezeichnung. Auch hier wurden in Abstimmung mit der DGNR neue Bezeichnungen für die in der interventionellen Neuroradiologie zertifizierten Zentren gefunden.  

Was erhoffen Sie sich als Leiter der DeGIR-Lenkungsgruppe Zertifizierung von diesen Änderungen?

Mit der Neuausrichtung der Zertifizierung unter dem Dach der DeGIR haben wir die Weichen für die Zukunft gut gestellt. Wir wollen mit der Zertifizierung einen Beitrag zur Stärkung der interventionellen Radiologie leisten.