Zertifizierungsanforderungen

Die nachfolgenden Zertifizierungsanforderungen sind Grundlage der Zertifizierung zum DeGIR-Zentrum für interventionelle Gefäßmedizin und minimal-invasive Therapie.

Interdisziplinarität und Qualitätsmanagement
Die ärztliche Leitung eines DeGIR-Zentrums muss sich zu einer interdisziplinären Arbeitsweise  und zu einem kontinuierlichen und im gesamten Zentrum angewandten Qualitätsmanagement bekennen.

Inhaltliche Schwerpunkte
Das Zentrum soll in angemessener Gewichtung die folgenden inhaltlichen Schwerpunkte vertreten:

  • interventionelle Therapie von Gefäßerkrankungen (Arterien und Venen) mit gefäßeröffnenden sowie gefäßverschließenden Verfahren
  • interventionell-onkologische Eingriffe
  • sonstige vaskuläre und nichtvaskuläre Eingriffe im gesamten Körper

Fachdisziplinen
An einer Einrichtung eines DeGIR-Zentrums sollten folgende Disziplinen vorhanden bzw. über formalisierte Kooperationen in die Abläufe eingebunden sein:

  • Chirurgie und Gefäßchirurgie oder Herz-Thoraxchirurgie
  • Gastroenterologie
  • Unfallchirurgie/Orthopädie
  • Gynäkologie
  • Innere Medizin (z. B. Angiologie, Kardiologie, Nephrologie, Onkologie)
  • Strukturierte, an den klinischen Arbeitsfeldern ausgerichtete Kooperation mit weiteren Fachdisziplinen wie z.B. Pathologie, Anästhesie, Dermatologie, Pharmakologie, Pneumologie, Pädiatrie, HNO, Augenheilkunde.

Invasive und nicht-invasive apparative Diagnostik
Die folgenden Modalitäten sollten im Zentrum oder an den Einrichtungen des Zentrums, mit denen kooperiert wird, verfügbar sein:

  • CT und CTA
  • MRT und MRA
  • i.a. Angiographie (DSA) unter Einsatz eines großen Bildverstärkers / Flachdetektors
  • Ultraschall-Diagnostik (incl. Duplex und Dopplerfunktionalitäten)
  • KM-verstärkter Ultraschall
  • Funktionelle Diagnostik (z. B. Lungenfunktionsdiagnostik)
  • Laufbandergometrie und ABI-Messungen.

Interventionelles Leistungsspektrum und Leistungszahlen
Kliniken, die sich als DeGIR-Zentrum zertifizieren lassen wollen, weisen wünschenswerterweise über die Standardverfahren hinaus eine Expertise in weiteren Verfahren auf. Hierzu gehören z. B.:

  • Spezialverfahren der mechanischen Rekanalisation (z. B. Atherektomie, Thrombektomie)
  • Spezialzugänge (z. B. retrograde peripher-arterielle Gefäßpunktion)
  • Subintimale Rekanalisation
  • Erfahrungen mit Spiralen, Partikeln und Flüssigembolisaten

Die folgenden Anhaltszahlen sollten über Leistungsstatistiken und die DeGIR-QS-Software nachgewiesen werden:

  • Gesamtzahl der Interventionen: mindestens 250 pro Jahr, davon
    Modul A und B: mindestens 150 Fälle aus beiden Modulen zusammen. Hierbei sollten mindestens 20 Fälle mit gefäßverschließenden Maßnahmen erbracht werden. Maximal 100 Eingriffe aus dem Modul E können angerechnet werden.
    Modul C und D: mindestens 80 Fälle aus beiden Modulen zusammen (z. B. perkutane Biopsien, Myomembolisationen, Schmerzbehandlungen, interventionell-onkologische Eingriffe)

Qualitätssicherung
Die Teilnahme an einer strukturierten Qualitätssicherung ist Voraussetzung für die Anerkennung eines DeGIR-Zentrums.

Hierzu gehört vor allem:

  • Teilnahme an dem zentralen Online-Register der DeGIR mit umfassender Dokumentation, die das Spektrum und das Leistungsvolumen des Zentrums widerspiegelt
  • Teilnahme an gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätssicherungsmaßnahmen
  • Regelmäßige Durchführung von Mortalitäts- und Morbiditäts-Konferenzen
  • Erfassung der Ergebnisqualität am Ende des klinischen Aufenthalts
  • Durchführung interdisziplinärer Konferenzen zu den Themen „Gefäßerkrankungen“ und „Tumor“ Durchführung von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen auf dem Gebiet der interventionellen Radiologie.

Weiterbildungsermächtigungen und Ausbildungsstättenzertifizierung
Für die Anerkennung als DeGIR-Zentrum ist die

  • vollständige Weiterbildungsermächtigung für das Gesamtgebiet der Radiologie erforderlich.
  • Anerkennung als Ausbildungsstätte der DeGIR in mindestens einem thematischen Modul wünschenswert. 

Organisationsmerkmale
Folgende Organisationsvoraussetzungen müssen gegeben sein:

  • eine lückenlose „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“ für alle interventionell behandelten Patienten
  • Bereitschafts- und/oder Rufdienste für alle angebotenen Interventionen müssen vorgehalten werden
  • Intensivstation bzw. IMC zur Überwachung von Patienten während oder nach Interventionen
  • bei sektorübergreifenden bzw. trägerübergreifenden Organisationen werden besondere Anforderungen an die Strukturqualität gestellt (z. B. Prozessabläufe und Schnittstellen müssen definiert und schriftlich festgelegt werden)
  • strukturierte interne und externe Fortbildungsmaßnahmen (jährliche Fortbildungspläne)

Personelle Voraussetzungen
Folgende personelle Voraussetzungen müssen gegeben sein:

  • mindestens 3 radiologische Fachärzte mit interventioneller Expertise
  • mindestens ein radiologischer Facharzt sollte in mindestens einem Modul Stufe-2-DeGIR-zertifiziert sein
  • mindestens 3 MitarbeiterInnen als Assistenzpersonal, die ein erkennbares interventionell-radiologisches Profil haben (z. B. nachgewiesene langjährige Tätigkeit in IR, z. B. ausweislich des Besuches dedizierter Fortbildungen)

Mitgliedschaft in den Fachgesellschaften
Die verantwortlichen Ärzte der entsprechenden Bereiche müssen Mitglieder der DRG oder DGNR und der DeGIR sein.